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Eberhard Teske

Eberhard Teske ist für das regelmäßige Lokalmagazin Guck Marl verantwortlich, das er gemeinsam mit Ursula Krehut gegründet hat und mit Unterstützung vom Ausbildungsfernsehen Marl produziert.

Langjährige Erfahrung bringt er außerdem aus der Redaktion Leben im Vest mit

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Der Mensch steht im Mittelpunkt

Was ein Lokalmagazin ausmacht

Wer ein eigenes Lokalmagazin produziert, will mit seiner Sendung nicht nur die Menschen in seinem Ort erreichen, sondern natürlich auch über interessante Menschen aus der Stadt oder der Region berichten.

Doch welche Menschen rückt man am besten in den Mittelpunkt, um konkrete Themen zu veranschaulichen oder spannende Geschichten zu erzählen? Antworten hat Eberhard Teske mit dem Team der Redaktion Guck Marl gesucht. Über seine Erfahrungen berichtet er in diesem Wissensartikel.

Schwerpunkt "Charakterköpfe"

Das Guck-Marl-Team mit Eberhard Teske, Ursula Krehut und Willie

Bei der Planung unserer Redaktionsarbeit war die Hauptfrage für uns: Wo sollen unsere Schwerpunkte liegen?

Allen war klar: der Mensch muss im Mittelpunkt stehen, und zwar unter dem Motto: Marler Charakterköpfe!

Heftige Diskussionen hatten wir allerdings bei der Frage: Wer ist grundsätzlich interessanter für einen Bericht: Menschen aus dem öffentlichen Leben oder der "normale" Mensch aus der Nachbarschaft?

Wir konnten uns nicht auf Anhieb einigen, haben deshalb einen Feldversuch durchgeführt und dabei interessante Erfahrungen gemacht.

Proband 1: Der Politiker

Unser erster Proband war der Marler Bundestagsabgeordnete. Wir haben ihn eine Woche lang in Berlin begleitet. Bei der nachträglichen Analyse unserer Dreharbeiten fiel uns auf:

  • Es gab interessante Einblicke in die Arbeit eines Bundestagsabgeordneten ...
  • ... aber nur wenig Informationen über den Menschen.
  • Der Abgeordnete hat sich gekonnt präsentiert.
  • Seine Aussagen waren geschliffen formuliert.
  • Bestimmte Bereiche durften von uns nicht berührt werden.
  • Der Beitrag sollte nach Fertigstellung kontrolliert werden. Der Abgeordnete hat also massiven Einfluss auf die Aussage des Films nehmen können.
Michael Groß, Bundestagsabgeordneter aus Marl

Porträt über Michael Groß
im Lokalmagazin "Guck Marl"

zur Sendung in der nrwision-Mediathek

Zusammenfassung:
Die Arbeit war interessant, der Film informativ, aber einseitig, sehr sachlich, nicht berührend. Insgesamt nichts Besonderes. So etwas sieht man täglich im Fernsehen. Info mit Abstrichen: gut. Emotionen: null.

Die Zusage für dieses Politiker-Porträt, um das uns einige Kollegen beneidet haben, wurde mit vorherigen Absprachen und vielen Einschränkungen unserer Arbeit erkauft. So etwas machen wir nie wieder!

Proband 2: Der Schuster

Unser zweiter Proband war mein Schuster. Er war mir aufgefallen, weil er mit 80 Jahren noch arbeitet. Er ist ein fröhlicher Zeitgenosse. Erstaunlich, wie er mit einem massiven Tremor (grobmotorisches Zittern der Hände) gute Arbeit macht.

Je länger ich mich mit ihm beschäftigte, um so mehr faszinierte er mich. Seine Lebensgeschichte widerspricht der psychologischen Regel: schlechte äußere Bedingungen in der Jugend, dramatischer Lebenslauf. Als Jugendlicher hat er die letzten Kriegswirren miterlebt, musste nach dem Krieg drei Jahre lang in einem Internierungslager der Dänen zubringen. Stacheldraht und militärische Bewachung schufen KZ-ähnliche Bedingungen. Mit 20 Jahren erkrankte er an Multipler Sklerose. Mit 25 wurde ihm von den Ärzten dringend empfohlen, seinen Beruf aufzugeben.

Mit 80 arbeitet er noch, obwohl er keinen Schritt ohne Gehhilfe machen kann. Er hat permanent Schmerzen. Trotzdem ist er fröhlich, humorvoll und ein sympathischer Mensch mit viel Lebenserfahrung. Die Aufnahmen mit ihm waren ein Erlebnis!

Die Analyse der Filmarbeiten:

  • Das ist eine Lebensgeschichte, die berührt, und ein Mensch, der fasziniert.
  • Es gab keine Fragen, die im Vorfeld ausgeschlossen wurden.
  • Die Ausdrucksweise unseres Probanden ist nicht druckreif, dafür aber sehr authentisch.
  • Er akzeptiert den Film, so wie wir ihn aufbereiten.
Egon Tonn, Schuster aus Marl

Porträt über Egon Tonn
im Lokalmagazin "Leben im Vest"

zur Sendung in der nrwision-Mediathek

Zusammenfassung:
Der Film erzählt eine berührende Geschichte und gibt interessante historische Einblicke in eine Situation, die so nicht in Geschichtsbüchern zu finden ist. Unsere Arbeit wurde nicht durch Vorschriften eingeengt.

Unser Fazit:

Seit diesen Erfahrungen laufen wir mit aufgestellten Antennen durch Marl. Beobachten Menschen, schauen ihnen ins Gesicht, sprechen sie an - immer die Fragen im Hinterkopf:

  • Ist dieser Mensch interessant, ansprechend, spannend?
  • Hat er irgendetwas besonderes?
  • Bietet er Stoff für einen Film?

Wir haben die Erfahrung gemacht:Jeder Mensch hat etwas besonderes. Und das darzustellen ist für uns eine starke Motivation, Fernsehen zu machen!

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