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Marieluise Denecke

Marieluise Denecke

Marieluise Denecke hat an der TU Dortmund Journalistik studiert. Seit 2014 unterstützt sie das nrwision-Team als Stellvertretende Senderleiterin.

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Über Menschen mit
Migrationshintergrund berichten

Praxis-Tipps für Journalisten

Interview mit Sheila Mysorekar

Foto von Sheila Mysorekar

Nicht nur in den Diskussionen über Flüchtlinge, Zuwanderer und die deutsche Flüchtlingspolitik werden in den Medien oft Klischees und Stereotype verwendet. Wenn es um Menschen mit Migrationshintergrund geht, ist es als Journalist wichtig, fair und ohne Vorurteile zu berichten.

Tipps für die Berichterstattung über Ausländer und Migranten: Welche Fehler passieren häufig? Was kann man selber besser machen? Bei nrwision im Kurz-Interview: Sheila Mysorekar, Vorsitzende des Vereins "Neue deutsche Medienmacher e.V.", der sich für mehr Vielfalt in den deutschen Medien einsetzt.

"In den Bildern tragen alle Frauen Kopftuch"

5 Fragen zur Berichterstattung über Menschen mit Migrationshintergrund


1. Gibt es ein Problem damit, wie Menschen mit Migrationshintergrund in den Medien dargestellt werden? Wenn ja, wie äußert sich das?

Oft werden Menschen aus Einwandererfamilien nur in bestimmten, meist problematischen Kontexten überhaupt erwähnt. Es geht um sie, wenn man von Migration spricht, von Religion oder von Terrorismus. Und in den meisten anderen Kontexten erwähnt man sie nur, wenn es Probleme gibt; wenn beispielsweise von Schulen die Rede ist, dann kommen sie nur als Problemfälle vor.

Die vielfältige deutsche Normalität wird selten als solche gespiegelt. Es gibt zu wenige Medienberichte über normale Menschen mit diversen kulturellen, ethnischen oder religiösen Hintergründen, die völlig selbstverständlich und normal in diesem Lande leben, ihrem Beruf nachgehen und ihre Kinder großziehen. Sie kommen nur als Problem in den Medien vor. Und wenn sie erwähnt werden, dann in Stereotypen: kriminelle libanesische Clans, türkische Ehrenmörder, afrikanische Prostituierte, arabische Schulabbrecher. In dem dazugehörigen Bildmaterial tragen alle Frauen ein Kopftuch, und alle Geschäfte sind Dönerbuden. Das ist schlicht und einfach schlechter Journalismus, aber leider oft an der Tagesordnung.

2. Warum ist es wichtig, über dieses Thema zu sprechen?

Wenn Gruppen von Menschen – zum Beispiel kulturelle, ethnische oder religiöse Minderheiten – permanent pauschal in bestimmten Stereotypen dargestellt werden, verfestigen sich negative Zuschreibungen über diese Gruppen. Sie werden ohne Differenzierungen als Einheit gesehen. Negative Stereotype verstärken sich, anstatt sich aufzulösen.

In einer politisch aufgeheizten Situation, wie sie augenblicklich in Deutschland und ganz Europa herrscht, arbeiten rechte Gruppen sehr bewusst mit negativen Zuschreibungen und Pauschalisierungen über Muslime, über Araber, über Geflüchtete. Dem muss etwas entgegengestellt werden, nämlich eine gut recherchierte, differenzierte und faktenbasierte Berichterstattung, die ohne Stereotype in Wortwahl und Bebilderung arbeitet.

3. Wird über Menschen mit verschiedenen kulturellen Hintergründen unterschiedlich berichtet (z.B. über Sinti und Roma anders als über Menschen mit türkischen Wurzeln)?

Die negativen Zuschreibungen sind unterschiedlich und in der Regel tradiert. "Zigeuner klauen, Italiener sind faul, Araber sind fanatisch", etc. Das wird manchmal in einen moderneren Kontext gepackt: Es wird nicht mehr gesagt, dass irgendwer "primitiv" ist und nicht hierhin passt, sondern dass jemand "archaische Kultur" mitbringt und "integrations-unwillig" ist.

Auch vermeintlich positive Zuschreibungen sind alles andere als positiv und legen Gruppen von Menschen fest, beispielsweise dass Schwarze gut singen und tanzen können. Im Umkehrschluss bedeutet das nämlich einfach, dass sie nichts anderes gut können und nur Unterhaltungswert haben. Gewisse Narrative haben eine sehr lange Tradition, zum Beispiel, dass nicht-weiße Männer als Gruppe sexualisiert werden, also dass sie angeblich einen unkontrollierten sexuellen Trieb haben und alle weiße Frauen ihre potentiellen Opfer sind. So wurde über Schwarze während der Sklaverei in den USA geschrieben, über die schwarzen französischen Soldaten während des Ersten Weltkrieges, von den Nazis über jüdische und schwarze Männer oder heutzutage über Nordafrikaner in Deutschland.

4. Was kann man als Journalist und Medienmacher in der eigenen Berichterstattung über Menschen mit Migrationshintergrund besser machen?

Erstens: sich klarmachen, dass eine weiße Person nicht "neutraler" über Menschen aus Einwandererfamilien berichten kann als diese Menschen selber. Er oder sie sollte diese Menschen selbst zu Wort kommen lassen, nicht nur über sie sprechen. Selbstbezeichnungen von Menschen sollten ernst genommen und verwendet werden. Wenn Menschen sich selber beispielsweise als Afro-Deutsche, Neue Deutsche oder Schwarze Deutsche bezeichnen, dann hat das Gründe, und weiße Medienmacher/-innen sollten sich nicht darüber hinwegsetzen.

In der Auswahl von Bildmaterial sollten alle Medienmacher/innen stereotypisierende Bilder vermeiden.

Mit Sprache sollte sorgfältig umgegangen werden, da rassistische Bezeichnungen oft im allgemeinen Sprachgebrauch vorhanden sind. Auch wenn diskriminierende Sprache möglicherweise aus Unwissenheit verwendet wird, ist dies dennoch sehr schädlich für die Menschen, über die geschrieben wird. "Wir" und "die anderen" zu sagen, schließt viele Leute aus der deutschen Gesellschaft aus und erklärt sie so als nicht zugehörig. Wer ist "wir"? Dazu gehören auch kulturelle, ethnische oder religiöse Minderheiten, die in Deutschland leben und ebenfalls Deutsche sind. Diese Implikationen sollten bei der Wortwahl mitgedacht werden.

5. Gibt es Leitfäden oder Einrichtungen, die man bei weiteren Fragen zu Rate ziehen kann?

Ja, die gibt es durchaus:

www

Glossar der Neuen deutschen Medienmacher
Formulierungen für die Berichterstattung im Einwanderungsland
zum PDF-Download

www

Leitfaden für einen rassismuskritischen Sprachgebrauch
Handreichungen für Journalist_innen
zum PDF-Download

www

der braune mob e.V., Mediawatch-Verein in Hamburg
zur Website

www

Neue deutsche Medienmacher e.V.
zur Website

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