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Marieluise Denecke

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Marieluise Denecke hat an der TU Dortmund Journalistik studiert. Seit 2014 unterstützt sie das nrwision-Team als Stellvertretende Senderleiterin.

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Pressekodex für Journalisten

Die wichtigsten Leitlinien vom Deutschen Presserat

von Marieluise Denecke


Die Berichterstattung rund um den Absturz der Germanwings-Maschine im März 2015 hat uns wieder vor Augen geführt: Auch große Fernsehsender und Zeitungen in Deutschland machen aus ethischer und moralischer Sicht nicht immer alles richtig. Was aber ist "richtig", was "falsch" in der journalistischen Arbeit? Gesichter verpixeln, Namen nennen, Interviews mit Betroffenen führen: Was darf ich als Reporter - und was nicht?

Logo: Deutscher Presserat

Dafür, wie sich Reporter verhalten sollten, gibt es Regeln und Leitlinien. Die stehen im sogenannten Pressekodex. Der Pressekodex wird vom Deutschen Presserat herausgegeben, einer Institution, die seit rund 60 Jahren über die deutschen Medien wacht. An den Presserat kann man sich zum Beispiel auch wenden, wenn man Beschwerden über journalistische Berichterstattung hat.

Der Pressekodex ist vor allem für Printmedien gedacht, aber er ist für alle Redakteure und Reporter eine sinnvolle Orientierungshilfe zur journalistischen Ethik - auch beim Radio, bei Online-Medien und natürlich auch beim Fernsehen. Wir haben die 7 wichtigsten Regeln aus dem deutschen Pressekodex zusammengestellt.

1. Berichte wahrheitsgemäß!

Die wichtigsten Regeln findest Du im zu Beginn von Ziffer 1 im Pressekodex: "Die Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste Gebote der Presse."

Heißt übersetzt: Halte Dich an die Fakten, berichte wahrheitsgemäß und wahre in Deiner Berichterstattung immer die Würde derjenigen, über die Du berichtest. So will es schließlich auch das Grundgesetz.

2. Sei sorgfältig!

Ziffer 2 im Pressekodex beschreibt die im Journalismus so wichtige Sorgfaltspflicht:

"Recherche ist unverzichtbares Instrument journalistischer Sorgfalt. Zur Veröffentlichung bestimmte Informationen in Wort, Bild und Grafik sind mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen und wahrheitsgetreu wiederzugeben."

Heißt: Nur wenn Du Dir absolut sicher bist, dass etwas ein Fakt ist, kannst Du es als Fakt darstellen. Im Journalismus gilt dafür das sogenannte Zwei-Quellen-Prinzip: Wenn zwei Quellen unabhängig voneinander eine Sache bestätigen, dann kannst Du davon ausgehen, dass die Sache stimmt. Bei Informationen, die leicht zu überprüfen sind, kannst Du aber natürlich gern selbst zum Hörer greifen, um eine Information bestätigt zu bekommen.

Diskussion in der Redaktion

Des Weiteren darfst Du Fakten oder Aussagen nicht verzerren, zum Beispiel indem Du Grafiken beschneidest, Zitate nicht als solche kennzeichnest oder Bilder nachstellst, ohne dies transparent zu machen. Wenn Du nur lückenhafte Informationen hast, dann sage das auch, wie es Ziffer 2 empfiehlt: "Unbestätigte Meldungen, Gerüchte und Vermutungen sind als solche erkennbar zu machen."

3. Recherchiere fair!

Interviews mit versteckter Kamera? Undercover-Recherche mit Perücke, Sonnenbrille und falscher Identität? Journalisten können sehr kreativ sein, wenn sie an Informationen gelangen wollen. Alles ist jedoch im Sinne des Pressekodex nicht erlaubt, wie Ziffer 4 sagt: "Bei der Beschaffung von personenbezogenen Daten, Nachrichten, Informationsmaterial und Bildern dürfen keine unlauteren Methoden angewandt werden."

Hier empfiehlt der Pressekodex, sich in der Recherche grundsätzlich als Journalist zu erkennen zu geben. Fragt also nicht jemanden beiläufig aus und veröffentlicht diese Informationen dann.

Dies geht natürlich nicht immer – manchmal gerät man nur an Informationen, wenn der Interviewpartner gerade nicht weiß, dass man diese Infos veröffentlichen möchte. Dies ist laut Pressekodex allerdings nur erlaubt, "wenn damit Informationen von besonderem öffentlichen Interesse beschafft werden, die auf andere Weise nicht zugänglich sind", wie es in Richtlinie 4.1 heißt. Die Informationen, die verdeckt beschafft werden, müssen also für die gesamte Öffentlichkeit wichtig sein. Und sie dürfen anders nicht zu beschaffen sein.

Kritisch ist auch das Ausfragen schutzbedürftiger Personen (Richtlinie 4.2), wobei der Pressekodex hier "besondere Zurückhaltung" fordert. Schutzbedürftige Personen sind zum Beispiel Kinder und Jugendliche, Menschen in seelischen Extremsituationen oder Menschen, die sich nicht im Besitz ihrer vollen körperlichen oder geistigen Kräfte befinden.

4. Trenne Werbung und Journalismus!

nrwision ist ein nicht-kommerzieller Fernsehsender: Werbung und Schleichwerbung haben bei uns daher keinen Platz. Für andere Medienunternehmen sieht Ziffer 7 des Pressekodex eine klare Trennung von Werbung und Redaktion vor:

"Die Verantwortung der Presse gegenüber der Öffentlichkeit gebietet, dass redaktionelle Veröffentlichungen nicht durch private oder geschäftliche Interessen Dritter oder durch persönliche wirtschaftliche Interessen der Journalistinnen und Journalisten beeinflusst werden."

Heißt: Von Dir recherchierte Inhalte und Werbung müssen für den Zuschauer oder Leser klar getrennt werden. Werbung muss immer als solche gekennzeichnet werden. Wenn über Unternehmen oder Produkte berichtet wird, dann muss dies dem öffentlichen Interesse nachkommen und in neutraler Weise geschehen.

Wer sich eigens bezahlen lässt, um über ein Produkt oder ein Unternehmen in einer bestimmten Weise zu berichten und damit Schleichwerbung betreibt, untergräbt diesen Vorsatz und täuscht seine Zuschauer bzw. Leser.

5. Schütze diejenigen, über die Du berichtest!

Niemand darf einfach so über das Leben anderer Menschen berichten. Menschen haben ein Anrecht auf die Informationen (also u.a. Videos, Fotos, Zitate), die über sie veröffentlicht werden. Das ist die sogenannte "informationelle Selbstbestimmung". Also keine Veröffentlichung ohne Einverständnis der Person, die zu sehen oder zu hören ist! Wenn Du Kinder und Jugendliche in einem Beitrag zeigst, geht das erst ab 18 Jahren ohne die Zustimmung beider Elternteile.

Wenn anonymisiert werden muss, dann anonymisiere auch – zum Beispiel bei der Berichterstattung über Opfer, über Schutzbedürftige und über Angehörige. Hierzu gehören u.a. die Abkürzung des Nachnamens und das vollständige Verpixeln des Gesichts. Oder zeige die Person gar nicht.

Über Menschen darf dann "identifizierend" - also mit vollem Namen und erkennbar - Bericht erstattet werden, wenn "das Informationsinteresse der Öffentlichkeit die schutzwürdigen Interessen von Betroffenen überwiegen". Wann das so ist, ist allerdings von Fall zu Fall unterschiedlich. Weitere Informationen gibt es im Pressekodex unter Ziffer 8, "Schutz der Persönlichkeit".

Ziffer 9 sagt des Weiteren aus, dass Menschen nicht durch "unangemessene Darstellungen in Wort und Bild" in ihrer Ehre verletzt werden dürfen.

6. Keine Sensationsberichterstattung!

Laut Ziffer 11 sollte es keine "unangemessen sensationelle Darstellung von Gewalt, Brutalität und Leid" geben. Als unangemessen gilt hier, wenn ein Mensch zum "Objekt […] herabgewürdigt" wird, zum Beispiel wenn leidende oder sterbende Menschen in einem Maße gezeigt werden, wie es nicht dem öffentlichen Interesse nachkäme. Hab also Respekt vor den Personen, die Du zeigst, und frage Dich: Braucht Dein Beitrag diese Bilder oder O-Töne wirklich?

Beachte außerdem den Jugendschutz. Überlege Dir also, wie die Dinge, die Du per Video oder Foto darstellst, auf Kinder und Jugendliche wirken.

7. Diskriminiere niemanden durch Deine Arbeit!

In Ziffer 12 heißt es: "Niemand darf wegen seines Geschlechts, einer Behinderung oder seiner Zugehörigkeit zu einer ethnischen, religiösen, sozialen oder nationalen Gruppe diskriminiert werden."

Daher solltest Du beispielsweise bei der Berichterstattung über Straftaten beachten, den ethnischen oder religiösen Hintergrund des Täters nur dann zu erwähnen, wenn dies für das Verständnis des Vorgangs wichtig ist.

Das war unser Überblick über die – für uns – wichtigsten Empfehlungen aus dem deutschen Pressekodex. Die Auswahl der Ziffern, die wir hier für Dich getroffen haben, ist natürlich subjektiv.

Herausgelassen haben wir die Ziffern über Richtigstellung, Berufsgeheimnis, Trennung von Tätigkeiten, Religion, Weltanschauung, Sitte, Unschuldsvermutung, Medizin-Berichterstattung, Vergünstigung und Rügen-Veröffentlichung. Zu jeder Ziffer gehören außerdem mehrere Richtlinien, die genau erklären, was unter den Ziffern zu verstehen ist. Wenn wir die hier gänzlich ausführen würden, würde dieser Artikel sehr, sehr lang werden.

Den kompletten Pressekodex stellen wir hier deshalb auch als Download zur Verfügung - mit freundlicher Genehmigung vom Deutschen Presserat. Wir hoffen, dass Dir diese Übersicht hilft. Und nun viel Spaß bei Deiner Arbeit!

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Pressekodex in der Fassung von März 2015
PDF-Download

www

Infos zum Deutschen Presserat
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Moral und Ethik spielen im Journalismus-Alltag eine große Rolle. Der Pressekodex gibt vor, wie sich Journalisten in Deutschland verhalten sollten.