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Johannes Hoffmann

Johannes Hoffmann ist Journalist und studiert an der TU Dortmund. Im Sommersemester 2015 hat er die Programmredaktion von nrwision unterstützt.

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Tobias Häusler im Kurz-Interview

5 Fragen an den WDR-Moderator

von Johannes Hoffmann


Von Radio NRW zum WDR, vom Hörfunk zum Fernsehen: Tobias Häusler ist Jahrgang 1980 und hat als Journalist schon viele Stationen im Lebenslauf. Als TV-Moderator steht er regelmäßig für "WDR aktuell" vor der Kamera, im Radio kann man ihn zum Beispiel beim "WDR 2 Montalk" hören.

Foto von Tobias Häusler, WDR-Moderator

Im Kurz-Interview verrät Tobias Häusler, wie er seine Rolle als TV-Moderator und Journalist beurteilt, wie er mit Reaktionen von Zuschauern umgeht und was einen dauerhaft erfolgreichen Moderator in der Medienbranche ausmacht.

5 Fragen an Tobias Häusler:


1. Klassiker-Frage zu Beginn: Wie gut kennt Dich NRW - oder anders gefragt: wie häufig wirst Du im Alltag von Menschen auf deinen Beruf angesprochen?

Ich gehe relativ ungestört einkaufen, kenne aber diese wissenden Blicke in der Gemüseabteilung oder am Bankschalter. Mir macht das Spaß. Und wenn ich ganz für mich sein wollte, dann würde ja die Lüneburger Heide reichen – da kennt mich schon keiner mehr. Dachte ich! Neulich sprach mich dann eine Frau am Bahnhof Soltau an, sie kenne mich "von Facebook". Soweit ist es schon.

Viel wichtiger ist mir das Feedback direkt zu meiner Arbeit oder meinen Sendungen. Und das hab ich wirklich täglich, ich bin online sehr greifbar. Mal findet jemand, ich hätte in den TV-Nachrichten doch besser mal einen Knopf des Hemdes mehr zugeknöpft, mal findet aber auch einer eine Frage an Gregor Gysi mutig, mal gibt jemand zu, bei einer Moderation zu Tränen gerührt gewesen zu sein. Dafür mach' ich es doch. Denn wenn ich bemerke, dass mir Anerkennung von Menschen und Feedback irgendwann egal sind, sie mich vielleicht sogar stören, höre ich direkt auf. Versprochen.


2. Du hast bereits mit 16 Jahren beim Lokalradio angefangen, danach warst Du viele Jahre bei Radio NRW. Seit 2013 moderierst Du beim WDR – in TV und Hörfunk. Liest sich sehr nach "Stück für Stück nach oben". Würdest Du zustimmen?

Breit gemacht hab ich mich, oder? Es sind aber immer Wellen. Du wirst oft als junges Talent in einer Redaktion gefeiert, dann erreichst Du über Jahre ein gewisses Plateau - und wenn Du merkst, jetzt stagniert es, vielleicht geht's bald abwärts – dann wechsle das Pferd, verändere was. Dazu könnte ich ganze Bücher schreiben. Ich coache und berate in genau diesem Bereich ja auch Kollegen.

In einer Branche, in der ständig Türen auf- und zugehen, sind auch Mentoren wichtig. In der Redaktion der "Aktuellen Stunde" im WDR Fernsehen war es genauso. Da gibt es einen Chef, der aus meiner Sicht sehr mutig war. Der hat gesehen: Der Junge hat Fernsehen nie gemacht, aber ich bemerke in unserem Casting, dass der irgendwas hat; ich bitte ihn jetzt, seine unbefristete Stelle für uns zu kündigen. Diesem Chef hab ich vieles zu verdanken. Und arbeite jetzt im WDR, in einem Haus mit 1000 Türen, und bin sehr glücklich dort.

Wichtiger übrigens als der Weg nach oben ist – Lebensweisheit, Achtung: Zu wissen, wann man konsolidiert! Wann man einfach mal den Moment genießt und den anderen Kollegen bei ihren grandiosen Karrieren nur zusieht. Ruhig bleibt, einfach seine Arbeit gut macht und die Zeit genießt. Klingt einfach, aber Neid, Unruhe und Unzufriedenheit sind sehr häufig anzutreffen in diesem Beruf. Leider verpasst man so das Schönste


3. Als Volontär und Redakteur habe ich mit Dir arbeiten dürfen. Dabei fand ich vor allem Deine charmant-freundliche Art und die Gelassenheit, die Du ausstrahlst, sehr beeindruckend. Sind das die Attribute, auf die Du besonders stolz bist - oder sieht dein Selbstbild anders aus?

Nein (lacht), das ist wohl wirklich so. Schön, dass ich das schriftlich bekomme. Ich bin charmant-freundlich und gelassen. Als Kind soll ich einmal gefragt haben, ob ich jetzt ins Bett könnte, es sei schon spät. Ein Traum für Eltern.

Also, um es zu erklären – und Du hast es ja selbst erlebt: speziell in der landesweiten WDR Fernsehredaktion in Düsseldorf geht es sehr druckvoll und konzentriert zu. Da will sich einfach keiner Fehler erlauben. Und in so einer Atmosphäre bin ich gern der, der am Ende des Tages humorvoll im Team und gelassen vor dem Zuschauer steht. Und Zuschauer bemerken und lieben Gelassenheit. Die hätte ich aber überhaupt nicht, wäre das Team nicht so gewissenhaft.


4. Moderieren ist letztlich auch "nur" ein Beruf – wenn auch ein besonderer. Sicherlich gibt es auch bei Dir Tage, an denen Du mehr oder weniger Lust hast zu arbeiten. Trotzdem erwarten die Chefs, Kollegen und Zuschauer vollen Einsatz. Wie schaffst Du es auch an einem schlechten Tag, der "gutgelaunte, charmante und bestens informierte" Moderator zu sein?

Den ersten Teil der Frage würde ich gern schon zur Diskussion stellen. Moderation ist im Journalismus eine Funktion von vielen. Ich beobachte Kollegen immer sehr kritisch, die glauben, Moderator sei ihr Beruf. Wenn der Inhalt egal ist und für Dich zur Hauptsache wird, dass Du ihn verkaufst, dann wirst Du zum Berufs-Moderator. Das bin ich nicht. Ich bin Journalist und mein größtes Talent ist vielleicht die Funktion des Moderators, aber ich bleibe Journalist.

Ich verrate hier mal einen Trick: Ich sehe den Menschen, der mir zusieht und zuhört. Immer. Und plötzlich sitzt da gefühlt einer, der Dich mag, also eingeschaltet oder angeklickt hat. Wenn Du erstmal denjenigen fühlst, dann kannst Du nicht schlecht gelaunt sein, dann gibst Du alles für ihn.

Wobei ich zugeben muss, dass ich auch nicht viele übelgelaunte Tage habe. Ich weiß nicht, wie das schlechtgelaunte Kollegen hinkriegen. Aber ich bin sehr gespannt auf deren Antwort.


5. Hape Kerkeling hat mal sinngemäß gesagt, dass es früher schwierig war vor die Kamera zu kommen, aber wenn man einmal dort stand, war man gesetzt. Heute sei das anders, da könne jeder moderieren, aber nur wenige bleiben auch über Jahre. Was ist dein Geheimrezept für eine möglichst lange Moderatoren-Karriere?

Dranbleiben. Schauen, was Kollegen – auch international – so machen, Kritik an Dir zulassen, selbstkritisch bleiben, Dich als Marke begreifen und – wichtig – das Leben Deiner Zuschauer und Hörer mitleben.

Jetzt könnte man sich noch Sorgen machen, dass es einfach keine klassischen Moderatoren mehr gibt – irgendwann. Aber da bin ich entspannt. Unsere Fernsehautoren der Beiträge, unsere Hörfunk-Reporter, unsere Onliner und wir Moderatoren erzählen doch nur Geschichten. Mal in 20 Sekunden, mal in 45 Minuten. Wenn wir den Spaß daran behalten, den Menschen, die uns mögen, auf eine moderne Art eine Geschichte zu erzählen, werden wir in dem Job 100 Jahre alt. Und dann ist es egal, ob das im Fernsehen, im Radio oder auf jeder anderen kommenden Plattform ist.

Eine Geschichte ist eine Geschichte, von einem Menschen einem anderen erzählt. Das gibt’s seit der Höhlenmalerei, das wird durch das Internet nicht enden. Ich zitiere Wim Wenders: "Ich blicke ermutigt in eine Zukunft, in der Technologie wieder so langweilig ist, dass der Inhalt das einzige Interessante sein wird." - Daran glaube auch ich fest.

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  • [ 13.04.2018 ]
    Sylvia Walter
    "Beste Hundeschule eeeeeveeeeer"

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Von Radio NRW zum WDR, vom Hörfunk zum Fernsehen: Moderator Tobias Häusler spricht im Kurz-Interview über seine TV-Karriere.